Der Tölt ist eine genetisch veranlagte Gangart, die vor allem bei Islandpferden vorkommt. Er zählt zu den Spezialgangarten der sogenannten Gangpferde. Im Viertakt folgt der Tölt einem Schritt-ähnlichen Rhythmus. Das bedeutet, das Pferd setzt seine Hufe in einer gleichmäßigen Reihenfolge auf: links hinten, links vorne, rechts hinten, rechts vorne. Anders als beim Trab gibt es keine Schwebephase. Reiter fühlen dadurch eine gleichmäßige, erschütterungsfreie Fortbewegung. Viele weitere Punkte zum Tölt erfährst du in unserem Artikel. Also viel Spaß beim Lesen!
Was unterscheidet Tölt von anderen Gangarten?
Die meisten Pferde beherrschen Schritt, Trab und Galopp. Der Tölt ist eine zusätzliche Gangart, die sich vom Trab durch das Fehlen der Schwebephase und vom Schritt durch eine höhere Geschwindigkeit unterscheidet. Für den Reiter fühlt sich der Tölt stabil und weich an. Aber Achtung! Verwechsle das Tölten nicht mit dem Pass-Gang, denn dort bewegt das Pferd die gleichseitigen Beine gleichzeitig. Pferde, die Tölt können, nennt man Viergänger – die sogar Pass auch beherrschen, bezeichnet man als Fünfgänger.
Warum der Tölt nicht jeder Pferderasse möglich ist
Wusstest du, dass der Tölt eine genetische Voraussetzung hat? Das sogenannte DMRT3-Gen steuert die Nervenbahnen, die für den Takt der Gangarten verantwortlich sind. Nur Pferde mit einer bestimmten Genvariante zeigen von Natur aus die Fähigkeit zum Tölt. Zu diesen Pferderassen gehören unter anderem Islandpferde, Paso Finos, Mangalargas, Aegidienberger und einige Missouri Foxtrotter. Warmblüter, Vollblüter oder z.B. Friesen besitzen diese genetische Ausprägung nicht. Am bekanntesten ist der Tölt sicherlich beim Isländer und er wird oft als ihr Markenzeichen angesehen.

Die Bewegungsabläufe im Tölt
Viertakt, Schwebephase und Gleichgewicht
Der Tölt verläuft in einem klaren Viertakt. Zu jedem Zeitpunkt befindet sich mindestens ein Bein am Boden. Dadurch entfällt die Schwebephase, die bei anderen Gangarten zu spürbaren Erschütterungen führen kann. Pferde benötigen für den Tölt ein gutes Gleichgewicht und eine stabile Rückenmuskulatur. Ein korrekt gerittener Tölt ist taktklar und gleichmäßig. Das Pferd trägt sich dabei selbst, ohne Spannung im Rücken. Damit wird bereits deutlich, dass die Grundvoraussetzung für ein korrekt töltendes Pferd eine solide Grundausbildung ist, die auch das dressurmäßige Arbeiten voraussetzt.
Fühlbare Merkmale
Für den Reiter fühlt sich der Tölt ruhig, gleichmäßig und bequem an. Das Pferd schwingt kaum auf und ab. Visuell erkennt man die Gangart an der schnellen, bodennahen Bewegung der Beine. Der Kopf des Pferdes bleibt ruhig. Die Bewegungsenergie verläuft horizontal. Im Unterschied dazu zeigen Pferde im Trab eine deutlichere Auf- und Abwärtsbewegung, die du besonders an der “Nickbewegung” erkennen kannst.
Eigenschaftendes Tölts
Rückenfreundlich und bequem – auch für Einsteiger
Die Bewegung des Tölts wirkt besonders sanft auf den Reiter ein. Menschen mit Rückenproblemen oder instabilem Sitz profitieren davon. Auch Reitanfänger erleben oft mehr Sicherheit, da die gesamte Bewegung ruhig ist. Der Tölt erlaubt entspanntes Reiten, wobei die eigene Balance zwar wichtig ist, allerdings wird man aus dieser nicht so schnell heraus gerissen wie bei einem schwungvollen Trab eines Warmblüters.
Gangkomfort auf langen Ritten
Besonders für lange Strecken ist der der Tölt sehr angenehmt. Durch die gleichmäßige Bewegung ist es für den Reiter weniger anstrengend. Pferde mit einer guten Grundausdauer und Töltveranlagung lassen sich über viele Kilometer ohne Tempowechsel reiten. Wanderreiter nutzen den Tölt bevorzugt im Gelände.
Islandpferde: Die natürlichen Töltpferde
In Island diente, ähnlich wie in Europa, das Pferd als Fortbewegungsmittel über weite Strecken. Der Reitstil konzentrierte sich damals hauptsächlich auf Effizienz und Komfort. Pferde mit ruhigem, ausdauerndem Tölt wurden bevorzugt. Dieser Fokus wirkte sich direkt auf die Zucht aus. Die Gangveranlagung für mehr als drei Gänge blieb über Generationen erhalten, sodass die Isländer bis heute relativ sicher für den Tölt veranlagt sind.
Warum Islandpferde tölten können
Pferde können den Tölt ausführen, weil sie über eine spezifische genetische Veranlagung verfügen, die durch eine Mutation im DMRT3-Gen ermöglicht wird. Diese Mutation beeinflusst die Entwicklung der Bewegungsmuster im Pferd und erlaubt es ihnen, eine Viertakt-Gangart ohne Schwebephase auszuführen.
Unter den Isländern gibt es auch Fünfgänger, die neben Tölt auch Rennpass zeigen. Diese Gangart ist schneller als der Tölt und wird in hohem Tempo über kurze Strecken gezeigt. Der Pass setzt eine besonders gute Koordination und Muskulatur voraus.
Tölten lernen – Eine kurze Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene
Natürlich ist die genetische Voraussetzung die Grundbedingung dafür, dass ein Pferd töten kann. Trotz alledem gibt es in der Ausbildung wichtige Punkte, die zu beachten sind.
Voraussetzungen für Reiter und Pferd
Ein ausbalancierter Sitz ist Voraussetzung für korrektes Töltreiten. Du als Reiter solltest unabhängig von den Zügeln sitzen und in der Lage sein, fein dosierte Schenkel- und Gewichtshilfen zu geben.
- Passender Ausbildungsstand beim Pferd
Dein Pferd sollte taktsicher in Schritt, Trab und Galopp sein. Eine gewisse Grundgymnastizierung und Losgelassenheit sind wichtig, um mit dem Tölten zu beginnen. Jungpferde mit natürlicher Töltveranlagung profitieren von einem systematischen Aufbau und Förderung ihrer Veranlagung. Auch älteren Pferden kann man mit gezieltem Training das tölten beibringen.
Töltausbildung richtig aufbauen
Zunächst steht die Lösungsphase im Vordergrund. Ziel ist ein lockerer Rücken. Erst dann kann das Pferd den Tölt in Balance zeigen. Das Training beginnt mit Schritt-Trab-Übergängen, Schulterherein und Arbeit auf gebogenen Linien. Unsere Trainerin Lisa Schürger hat mehrere Kurse zum Thema Ausbildung von Islandpferden auf unserer Plattform. Schau doch gerne vorbei, wenn dich das interessiert.
- Trainingsübungen zur Taktfindung
Gezielte Übungen wie Übergänge, Tempowechsel im Tölt, Stangentraining oder Seitengänge fördern die Taktsicherheit. Longieren am Kappzaum oder an der Doppellonge stabilisiert den Rücken. Die Arbeit in der Bodenarbeit schult das Körpergefühl deines Gangpferdes. Mehr zur Bodenarbeit kannst du übrigens in unseren Kursen erfahren.
Häufige Probleme und ihre Lösungen:
- Passverschiebung, Unregelmäßigkeit, Spannigkeit
Eine Passverschiebung entsteht durch Verspannungen im Rücken oder ein falsches Tempo. Abhilfe schaffen kannst du über Tempokontrolle, lösende Seitengänge und ruhige Übergänge. Eine Unregelmäßigkeit in den Gängen deutet oft auf mangelnde Balance hin. Daran solltest du in diesen Fällen dann erst einmal arbeiten, bevor du mit deinem Pferd weiter am Tölt trainierst. Spannigkeit lässt sich durch Pausen und feine Hilfen reduzieren, sodass du und dein Pferd einfach mal durchatmen könnt.
- Was tun bei Gangverweigerung?
Verweigert ein Pferd den Tölt, fehlt meist die Losgelassenheit oder die Motivation. Hilfreich sind Geländeausritte, Abwechslung, kurze Einheiten und Belohnung. Einigen Pferden fällt das Tölten leichter als anderen, da solltest du ganz individuell auf die Bedürfnisse deines Vierbeiners eingehen.
Gesunderhaltung im Tölttraining
Der korrekt gerittene Tölt kann die Muskulatur deines Gangpferdes aufbauen und den Rücken stabilisieren. Durch den ruhigen Bewegungsablauf werden die Gelenke weniger belastet als im Trab. Voraussetzung ist ein gut sitzender Sattel, korrektes Training und ein geeignetes Pferd natürlich.
Aber pass auf, dass du dein Pferd nicht überforderst. Zu lange Trainingseinheiten, unpassende Ausrüstung oder mangelnde Vorbereitung können kontraproduktiv sein. Symptome einer solchen Überforderung können Taktfehler, Widersetzlichkeit, Muskelverspannung oder sogar Lahmheit sein. Regelmäßige Trainingskontrolle schützt vor Überlastung.
Equipment fürs Töltpferd
Ein guter Gangpferdesattel verteilt das Reitergewicht gleichmäßig. Er bietet ausreichend Widerristfreiheit und erlaubt Schulterfreiheit. Sättel mit flexiblem Baum und flachem Sitz eignen sich gut für Töltpferde.
Leichte Gebisse wie Wassertrensen, Islandstangen oder doppelt gebrochene Kandaren fördern eine feine Verbindung. Der Zügelkontakt soll weich und konstant sein. Hilfsmittel wie Sperrriemen oder Schlaufzügel sind kritisch zu hinterfragen.
Trainingsgestaltung
Vielfältiges Training unterstützt die Motivation und Gesunderhaltung. Wechsel zwischen Bahn, Gelände und Bodenarbeit lockert Körper und Geist.
Die Tragkraft deines Pferdes entsteht durch gymnastizierende Übungen, korrektes Tempo und feines Reiten. Übergänge, Seitengänge und Arbeit über Bodenricks verbessern das Gleichgewicht. Tölt sollte nur dann geritten werden, wenn dein Pferd dazu körperlich in der Lage ist. Wie du deinen Isländer auch dressurmäßig fördern kannst, erfährst du in diesem Blogartikel.

Tölt in Freizeit und Turniersport
Tölt im Gelände genießen
Islandpferde vereinen Ausdauer, Trittsicherheit und ein ausgeglichenes Wesen. Ihr bequemer Tölt ermöglicht stundenlange Ritte ohne Belastung für Reiter oder Pferd. Sie bleiben auch auf unwegsamem Terrain zuverlässig.
Tölt im Turniersport
“Gæðingakeppni” vs. Sportprüfungen
Der Turniersport mit Isländern kommt historisch aus Island selbst und wird auch international von vielen isländischen Trainern exportiert und betrieben. Im Turniersport wird zwischen Gæðingakeppni (ˈcaiːðiŋkaˌcʰɛhpnɪ), wo Charakter und Ausdruck beurteilt werden und Sportprüfungen (technische Bewertung) unterschieden. Gæðingar zeigen Ausdruck, Kraft und Freude. Sportprüfungen werten Takt, Tempo und Anlehnung.
Bewertungskriterien bei Töltprüfungen
Wichtige Kriterien sind Taktklarheit, Gleichmaß, Losgelassenheit, Haltung und Ausdruck. Je nach Prüfungsklasse müssen Pferd und Reiter verschiedene Tempi und Übergänge zeigen. Schub aus der Hinterhand und ein aktiver Vortritt werden belohnt.
Na klar, hier ist eine kurze, prägnante Zusammenfassung als Abschluss des Artikels:
Das Wichtigste zusammengefasst
- Der Tölt ist eine genetisch veranlagte, besonders bequeme Viertakt-Gangart ohne Schwebephase.
- Er kommt vor allem bei Islandpferden vor und fühlt sich für Reiter ruhig und erschütterungsfrei an.
- Für einen taktklaren Tölt braucht es Ausbildung, Balance und gezieltes Training.
- Richtig geritten, ist der Tölt gesund für Pferd und Reiter – ideal für lange Ritte und Freizeitspaß.